Burnout & Wahrnehmung

1) Was ist Burnout für Dich?

Ich möchte an dieser Stelle hier nicht lang und breit erklären, was es ist. Ich denke, jeder der sich in dieser Situation befindet hat sich zuerst mit der Begrifflichkeit Burnout beschäftigt. Wenn ich es heute eigens in einem Satz zusammen fassen müsste, dann wäre es dieser eine Satz:

Ich habe nicht auf mich & meinen Körper gut genug aufgepasst!

Vielleicht bist du zufällig auf unserer Seite kurzbewegt gelandet, stolperst gerade über diesen Artikel und denkst für Dich, Heike Deine Geschichte interessiert mich nicht – ich weis selbst gerade nicht wer ich bin und was aus mir werden soll und ich habe keine Energie mehr, mir die Geschichten von anderen Leuten anzuhören, welche sowieso nur aus Ihren Leben erzählen wollen. Ich kann Dich verstehen, und wenn du in dieser Phase bist, dann ist es mit Sicherheit noch ein langer Weg den du zurücklegen musst. Aber ich kann Dir aus meiner Erfahrung sagen: Nimm eine kleine Bewegung, einen oder mehrere Schritte mit auf Deinem neuen Weg.

2) Was mache ich falsch?

Auch ich raste durch mein vorheriges Leben, kein Stillstand, kein Halten, Sport, noch mehr Sport, Sport bis zum Umfallen- wenn ich bereits einen 12 h Tag hinter mir hatte, musste ich mich bewegen, irgendetwas brauchte ich als Ausgleich. Egal welcher Sport es war, Hauptsache ich konnte mich auspowern. Es gab einige Tage in der Woche, wo ich abends mit meiner Kraft am Ende war und wo die Art des Sports oder Training kontraproduktiv war. Ich überlastete mich ständig und mit allem. Egal, ob Familie, Beruf, Chef, Freundin oder Bekannte. Jeder wollte etwas von mir, manchmal kam ich mir vor wie eine Tankstelle. Morgens ist noch Benzin da und im Laufe des Tages zapften immer mehr Menschen dieses wertvolle Benzin und spät am Abend war die Zapfsäule leer. So fühlte ich mich an vielen Tagen, Wochen und Monaten. Immer war ich diejenige, namens Zapfsäule wo sich alle gratis bedienen konnten. Es gab für mich diese Momente des sanften Aufwachens nicht, der Wecker klingelte, ich sprang aus dem Bett und war da. Sofort rasten 1000 Gedanken durch meinen Kopf, was heute alles erledigt werden muss. Es fing morgens schon an, dass ich keine Zeit für mich hatte.

3) Termindruck & Co?

Kaum war es 9 Uhr morgens, klingelte das Telefon. Damals arbeitete ich noch im Vertrieb. Zu dieser Zeit saß ich bereits im Auto und hatte schon ein paar Kilometer geschafft, denn ich musste ja pünktlich nach A oder B kommen. Also so ganz nebenbei, löste und erledigte ich meine Telefonanrufe und bis ich dann beim ersten Kunden war, hatte ich eigentlich schon 2 Stunden Büroarbeit, im Auto hinter mir. Großstädte sind schön, aber wenn man auf Neukunden Suche ist und eigentlich nicht weiß wo man parken oder den Stau umfahren kann, dann bleibt viel Zeit auf der Strecke und Druck es nicht rechtzeitig zum Termin zu schaffen oder noch ein km langer Fußweg durch die Innenstadt um den ersten Kunden überhaupt zu erreichen. Aber dieser Druck ist nicht nur im Vertrieb so. Wenn du Dich an dieser Stelle nun selbst mal hinterfragst, wie sieht Dein Druck oder Dein Tagesplan eigentlich so aus? Zu welcher Tageszeit fragst du Dich eigentlich das erste Mal, geht es mir gut oder stresse ich mich selbst schon wieder? Halte mal einen Moment inne und nimm Deinen heutigen Tag oder Vormittag mal wahr, bewusst wahr. Was war mein Stress heute morgen? Wie viele Termine habe ich bereits in einer Zeit x bereits erledigt? Wären meine Kinder auch mit einer einfachen Mahlzeit zufrieden gewesen oder habe ich zu lange an einer gesunden Mahlzeit gekocht?

4) Tagesablauf aber wie?

Jetzt bin ich schon bei Punkt 4 und der Tag ist noch lange nicht vorbei in meinen Gedanken. Manchmal lief ich durch Städte, raste von einem Termin zum anderen. Im Vorbeilaufen an Restaurants oder Cafe´s sah ich die Menschen in der Sonne sitzen, wie Sie  Ihren Cappuccino tranken. Manchmal wünschte ich mir, ich hätte jetzt auch die Zeit dazu, einfach mal einen Moment in der Sonne zu sitzen und einen Kaffee zu genießen. Im selben Augenblick ertappte ich mich schon wieder bei meinen Terminen. Nein, diese Zeit habe ich nicht, ich muss nachher das Kind von der Schule abholen, Hausaufgaben, kochen und Aufträge schreiben. Ich stand unter permanenten Druck etwas noch erledigen zu müssen, ohne das ich Rücksicht auf mich nahm. Frage Dich an dieser Stelle selbst! Nehme ich Rücksicht auf mich, gibt es irgendeine Minute oder halbe Stunde wo ich mir bewusst Zeit für mich nehme, oder bin ich mit meinen Gedanken schon wieder Stunden voraus ?

5) Ein Tag hat zu wenig Stunden

Diesen Satz gab es in meinen Kopf täglich. Ich hatte das Gefühl, ich werde nie fertig, ich kann nie und niemals alles erledigen. Immer bleibt ein Rest, etwas übrig von dem, was ich mir vorgenommen hatte. Nachdem ich nun die Großstadt hinter mir gelassen hatte, war der Nachmittag bereits angebrochen und im Auto fiel mir auf, das mir mein Magen knurrte und ich bis dato noch nichts gegessen hatte, außer meinem Frühstück heute morgen. Also, ran an die Tankstelle und Brötchen kaufen. Geschafft, ich saß in meinem Auto, fuhr bereits wieder mit Geschwindigkeit über die Autobahn, und nebenbei verspeiste ich mein Brötchen. Naja wenigstens etwas im Magen, aber von Genuss konnte man hier nicht sprechen. Und wieder ertappte ich mich dabei, wie ich neidisch auf die Menschen in der Autobahnraststätte war, wieviel Zeit Sie doch hatten um hier gemütlich Mittagessen zu können. Es waren oft Blitzmomente in meinem Kopf, welche ich durchaus wahrnahm. Aber ich dachte nie wirklich darüber nach, ich hatte ja schließlich viele wichtige Termine noch in meinem Kopf. Hinterfrage Dich jetzt selbst in dieser Minute, wo du diesen Text liest: Wieviel muss ich heute noch leisten oder erledigen? Wenn es bereits abends ist, frage Dich: Wieviel steht für mich morgen auf dem Programm? Wenn morgen Sonntag ist, hast du Glück gehabt, du wirst mit Sicherheit Tage finden, wo es Dir genauso geht wie mir, wo du nicht mehr weißt, was wollte ich eigentlich jetzt noch erledigen.